So gelingt Online-Mediation

So wird durch eine Online-Mediation die gemeinsame Bearbeitung von Konflikten zum Erfolg, auch wenn die Parteien nicht in einem Raum sitzen können oder wollen.

Die Gründe können sehr unterschiedlich sein, z.B. Entfernungen oder Einschränkungen der Mobilität bei Beteiligten. Manchmal wollen die Parteien aber auch einfach nicht in einem Raum zusammensitzen. 

Wenn die Mediation im digitalen Raum durchgeführt werden soll ist es wichtig, die Rahmenbedingungen sorgfältig zu gestalten. Diese sind bei mir dann auch Bestandteil des Mediationsvertrags.

Die größten Herausforderungen für eine Online-Mediation sind folgende:

  1. Technische Probleme wie instabile Internet-Verbindungen, Schwierigkeiten bei Bedienen der Plattform und schlechte Audio- oder Videoqualität.
  2. Eingeschränkte Wahrnehmung von Emotionen durch die Kamera, fehlender Blickkontakt.
  3. Interpretation von Bewegungen, Mimik möglichen Ablenkungen ist erschwert.
  4. Fehlende Wahrnehmung des Raum um die Kameraperspektive herum.
  5. Ablenkungen durch Ereignisse oder Personen, die von den anderen Beteiligten nicht wahrgenommen werden können.
  6. Fehlende Vertraulichkeit durch Dritte im Raum.
  7. Emotionale Distanz im digitalen Raum.

Durch das Einhalten von ein paar Regeln und Verhaltensweisen lassen sich Online-Mediationen durchführen. Meine Erfahrung ist, dass eine anfängliche Unsicherheit der Beteiligten schnell verschwindet.

Das Setup

Wichtig ist eine ausreichend leistungsfähige und stabile Internetverbindung. Notwendig sind mindestens 10 Mbit/s. Das kann vor allem dann eine Hürde sein, wenn die Internetverbindung über ein Mobiltelefon in ländlichen Gegenden oder in stark abgeschirmten Gebäuden hergestellt werden soll.

Die Mediation wird an einem PC oder Laptop mit Kamera durchgeführt oder an einem Desktop PC mit ausreichend großem Bildschirm. Die Kamera ist so ausgerichtet, dass sie die Person von vorne zeigt, wenn Sie an der Videokonferenz teilnimmt. Kameraperspektiven von der Seite funktionieren nicht. Gut geeignet sind generell Laptops mit integrierter Kamera.

Der Bildschirm muss so groß sein, dass ein geteiltes digitales Board zusätzlich zu den Videobilder eingeblendet werden kann.

Tablets funktionieren nur, wenn sie mit einer Tastatur und Maus kombinierbar sind. Mobiltelefone sind ungeeignet.

Die Medianten verpflichten sich durch den Mediationsvertrag, alle Termine alleine in einem geschlossenen Raum wahrzunehmen.  Die Nutzung eines Headsets qualitativ wertigen Headsets mit guter Klang und Sprachqualität ist vorteilhaft. Je nach Situation ist es erforderlich, einmal den Raum über die Kamera zu zeigen. Ton- und Bildaufzeichnungen mit externen Geräten sind untersagt.

Verhaltens-Etikette

Die Kamera bleibt eingeschaltet. Alle Beteiligten sind vor der Kamera zu sehen.

Kein Multitasking wie E-Mails, Telefonieren, Gaming an PC oder Mobiltelefon. Am besten liegt das Mobiltelefon einen Meter weit weg, der Bildschirm ist aus und alle Signaltöne abgeschaltet. Das gilt im Übringen auch für Benachrichtungen des PC’s. Schalten Sie die für die Dauer der Mediationsgespräche komplett aus.

Ausreden lassen, keine Unterbrechungen der anderen Person. Als Mediator erteile ich das Wort und sorge dafür, dass sie ausreichend Raum im Prozess erhalten, Ihre Sichtweisen darzustellen.

Wenn Sie dringend etwas sagen oder beitragen wollen, nutzen Sie das vereinbarte Handzeichen als Signal. 

Eventuell gibt es einen Grund, warum Sie nicht ständig in die Kamera schauen wollen. Vielleicht wollen Sie konzentriert zuhören, benötigen zur Entspannung etwas Abstand von den Videokacheln, wollen das Fenster öffenen, die Heizung  regeln oder sich erfrischen. Teilen Sie sich mit, wenn sie selbstverantwortlich etwas tun wollen.

Was noch?

Die Gegebenheiten in der Online Mediation sind anders als bei einem Treffen inn Präsenz. Es ist weniger leicht, den Kontext einer konkreten Handlung oder Regung zu erfassen. Hier helfen Erklärungen oder Nachfragen, z.B.: 

  • „Ich beobachte, dass Sie eben stark das Gesicht verzogen haben. Was war der Grund dafür?“
  • „Ich habe wenig Emotionen bei den Ausführungen von X wahrgenommen. Was haben die bei Ihnen ausgelöst?“

Das Online-Format benötigt mehr Konzentration und Energie, als ein Präsenztermin. Ich achte auf ausreichend Pausen, kurze wie längere.

Ich mache Online-Mediationen trotzdem gerne denn: es ist viel besser Konflikte online zu klären als sie weiter laufen zu lassen!

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